Adolf Vallaster war gelernter Mechaniker und von 1961 bis 2000, also 39 Jahre lang, bei der Gemeinde Mäder in Vorarlberg beschäftigt, zuerst als Gemeindekassier und dann als Gemeindesekretär. 2006 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde verliehen. Das lässt aufhorchen. Und wie kommt ein Mäderer Gemeindesekretär auf meine Liste von Persönlichkeiten?

Ich lernte Adolf Vallaster im Jahre 1973 kennen. Ich hatte für Liechtensteins Talgemeinden Flurgehölzplanungen durchgeführt. Vorarlberg hatte 1973 ein Landschaftsschutzgesetz erhalten und fragte die Gemeinden an, ob sie Landschaftsschäden zu melden hätten. Die Gemeinde Mäder beklagte eine radikale Abholzung des Rheinvorlandes, der sogenannten „Studa“ mit erhöhter Sturmanfälligkeit. Dr. Kunrich Gehrer, Leiter der damaligen Abteilung Landschaftsschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung, hatte Kenntnis von den entsprechenden Liechtensteiner Planungen und so konnte ich die erste Mäderer Flurgehölzplanung in Vorarlberg erstellen. Es sollten daraus über 70‘000 gesetzte Flurgehölze mit einem Flächenbedarf von 2% werden, die den Freiraum der Gemeinde strukturieren und vernetzen. Fährt man auf der Verbindungsstrasse zwischen den beiden nationalen Autobahnen bei Kriessern (SG) nach Altach (Vorarlberg), so passiert man Teile der Parklandschaft der Gemeinde Mäder, wo vorher kein Baum oder Strauch stand. Man fühlt sich heute in dieser Landschaft „be-hag-lich“.

Altbürgermeister Hildebert Ender meinte aus Anlass der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Adolf Vallaster, er habe eine Dynamik entwickelt, die aus der einst armen bäuerlichen Gemeinde eine über die Landesgrenzen hinaus angesehene familienfreundliche Umweltmustergemeinde geworden sei. Vallaster stellte die Weichen für den Flurgehölzplan und den Grünordnungsplan für den Siedlungsraum für das „grüne Mäder“. In Konsequenz wurde auch eine Öko-Hauptschule in Mäder eingerichtet.

Adolf Vallaster lebte den Brückenschlag zwischen Kultur und Natur. Seit den 1960er-Jahren schrieb er Dialektlyrik und bemühte sich um die Mundartszene, förderte und vertrat sie im Autorenverband Vorarlbergs. Er war national bekannter Mundartdichter und veröffentlichte mehrere Schriften. Er wirkte im Katholischen Bildungswerk in Vorarlberg mit.

Adolf Vallaster war ein Schnelldenker voll von Ideen. Wie würde wohl Mäder ohne seine Ideen aussehen? Er setzte sich für eine „grüne Lunge“, der Grün- und Erholungsanlage „Brühl“ mitten in Mäder ein, die von einer politischen Partei als „Millionenloch“ verunglimpft wurde. Die Gemeinde Mäder verschuldete sich mit einer aktiven Bodenpolitik, was der Raumordnung in der Gemeinde später zu Gute kam und u.a. ein Netz von Fahrradwegen ermöglichte. Die Gemeinde rettete die letzte Streueparzelle mit den Sibirischen Schwertlilien in der Bauzone. Die hochstämmigen Obsthaine, die sogenannten Bongert, sind eines der prägenden Grünelemente innerhalb des Siedlungsraumes. Mäder ist traditionell mit den Produkten Most und Obstler verbunden. Baumpatenschaften halfen dabei, einige Obsthaine zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Die Gemeinde stellte auch eine unentgeltliche Beratung für die Umgebungsgestaltung der Häuser zur Verfügung. Anstelle aufwändiger Bepflanzungspläne wurden jeweils in Form von Sprechstunden die wichtigsten Grünfragen diskutiert und die Lösungen direkt vor Ort in Skizzen aufgezeichnet, was den Aufwand beträchtlich minimierte.

Früh setzte sich die Gemeinde für eine Revitalisierung der Gewässer ein. Sie verwandelte 1976 einen ehemaligen Baggersee nahe dem Alpenrhein zum ersten Landschaftsschutzgebiet Vorarlbergs. Der Koblacher Binnenkanal war mit einem Trapezprofil ohne Baum und Strauch an seinen Böschungen ausgestaltet. Die damalige Wasserbaubehörde duldete aus Sicherheitsgründen keine Gehölze an Fliessgewässern. Da die Hoheitsgemeinden für den Unterhalt verantwortlich zeichnen, konnte nach Besichtigungen anderswo eine Bepflanzung durchgesetzt werden. Die Gehölze beschatten die Wasserfläche und mindern dadurch den Wasserpflanzenbewuchs, was sich förderlich für den Abfluss auswirkt. Es gelang, diesen Kanal in die Landschaft zu integrieren.

Adolf Vallaster sah die Ganzheitlichkeit in der Gemeinde, er sah mögliche Konflikte rechtzeitig und suchte nach entsprechenden Fachleuten. Für die Mäderer Ortsgestaltung hatten wir regelmässige Treffen mit Besichtigungen und es wurden mögliche Lösungsansätze direkt aufgezeichnet und weitergereicht. Adolf Vallaster hatte die nötige Sensibilität und Weitsicht dafür. Er diente drei langjährigen Bürgermeistern, die zu seinem Wirken standen. 1992 wurde im Gemeinde-Entwicklungsplan festgelegt, dass Mäder eine „Umwelt-Mustergemeinde“ werden soll.

Der langjährige Bürgermeister Rainer Siegele setzte sich seinerseits für Energiesparmassnahmen in der Gemeinde ein, sei dies mit dem Beitritt zum „Klimabündnis“, zu den „e5Gemeinden“ oder als Gründungsmitglied im Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“, das lange von ihm präsidiert wurde. In guter Erinnerung bleibt eine gemeinsame Kutschenfahrt am 31. Juli 2018 mit dem Bürgermeister und dem ehemaligen Gemeindesekretär, um die Grünausstattung zu bewundern. Das heutige Erscheinungsbild erfreut und Mäder bleibt mir in guter Erinnerung. Hier konnte im Kleinen viel Positives in guter vertrauensvoller Kooperation bewirkt werden.

Adolf Vallaster sei unerwartet an einem Sonntagnachmittag vom Mittagsschlaf nicht mehr aufgewacht. Der ehemalige Bürgermeister Rainer Siegele nahm bei der Beerdigung auf einige dieser Stationen Bezug: „Ruah in Frieda – dine Idea wärand üser Dorf no lang witerpräga“.

Kann ma
schterba lerna?

I glob schoa,
aber lerna
kascht blus,
solang d leabscht.

(Adolf Vallaster)

Mario F. Broggi, 13. Juli 2026