Komplexe menschliche Erfahrungen auf den Punkt zu bringen und eingefahrene Denkweisen zu hinterfragen, und dies in wenigen Sätzen – das ist es wert, zur Kenntnis genommen zu werden. Dazu folgt eine sortierte Sammlung von Lebensweisheiten und Aussagen, die mir im Alltag bei der Lektüre über die Ausbeutung des Planeten und der Klimakrise begegneten. Dabei werden geforderte Veränderungen zuerst als Gefahr wahrgenommen. Die Beharrungskräfte sind gross. «Und im Übrigen, meine Meinung ist gemacht, bitte verwirrt mich nicht mit Tatsachen». Das sind wohl verankerte Schutzmechanismen. Der lineare Fortschritt kann es aber nicht sein. Wenn sich der Horizont verdüstert, so ist etwas Neues angesagt. Die Vorhut für Neues deutet sich in den nachfolgenden Aphorismen an.

Wähle einen Beruf, den Du liebst, und Du brauchst niemals in Deinem Leben zu arbeiten (Konfuzius).

Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, dass man neue Landschaften sucht, sondern dass man mit neuen Augen sieht (Marcel Proust, Schriftsteller).

Neue Ideen sind nur durch ihre Ungewohntheit schwer verständlich – wie oft müsste man diesen Satz aussprechen, bis einer von hundert die nächstliegenden Konsequenzen aus ihm zöge? (Franz Marc, expressionistischer Maler).

Dubai und Sultan al-Jaber stehen sinnbildlich für das, was heute der Klimaschutz ist: zero Verzicht statt zero Emissionen. Aber sie stehen auch für die Hoffnung oder besser: einen unbekümmerten Optimismus -, dass uns die fossilen Energien zumindest dabei helfen, in eine moderne und CO2-freie Zukunft zu gelangen. Sie stehen mit anderen Worten für eine Klimapolitik, die den Kopf noch aus der Schlinge ziehen können. Technologien sind einfacher zu ändern als Verhalten (Gordana Mijuk: Ein Ölprinz liefert das perfekte Sinnbild für den heutigen Klimaschutz, NZZ am Sonntag, 3.12.2023, Reportage & Debatte, S. 179).

Es ist schwer, die Welt ehrenamtlich zu retten, wenn andere sie hauptberuflich zerstören (Eckhart von Hirschhausen, Arzt und Moderator).

Man sagt: wo gehobelt wird, fallen Späne. Ich habe aber auch schon gelesen: hobeln kann jeder, aber der eine macht Bretter, der andere Späne.

Früher war ich unentschieden, aber heute bin ich mir nicht mehr so sicher (Umberto Eco, Kant und das Schnabeltier)

Mauern machen blind. Wir bauen Mauern, entfremden uns so weit voneinander, bis wir nicht mehr Menschen wahrnehmen, ebensowenig die Natur (NZZ am Sonntag, 30.Januar 2024).

Es erstaunt, wie wenig wir über die anderen Arten wissen, die sich mit uns den Planeten teilen. Gerne frönen wir dem Narzissmus unserer eigenen Besonderheit und betrachten Natur so, als ob wir nicht dazugehörten. Damit gefährden wir uns selber (Eduard Kaeser, Physiker, NZZ am Sonntag, Meinung und Debatte, S. 21, 20.5.2023).

Manchmal überfällt mich die unheilvolle Ahnung, die Erfindung des Rades könnte der leibhaftige Sündenfall gewesen sein. Neben der Manipulation mit dem Feuer war dies wohl die folgenschwerste Innovation des Menschen. Feuer und Rad haben vieles gemeinsam, sie machen den Menschen unendlich grösser, schneller, unbegrenzter. (Hans Ruh, Ethiker, Uni Zürich).

Landschaft nicht inszenieren sondern thematisieren (Hans Weiss, Landschaftsschützer 1940-2024), das möchten wir mit dem Projekt Wildnisgebiet Samina-Galinatal erreichen, indem wir die Notwendigkeit von „Natur Natur sein lassen“ propagieren.

Erfahrene Menschen kehren ungern zu Gegenden zurück, die sie einst sehr geliebt haben (Friedrich Nietzsche, Schriftsteller).

Doch der wachsende Wohlstand treibt nicht dazu an, das Übermorgen ins Visier zu fassen. Er nährt nur die Gier. Die Satten wollen noch satter werden (Oskar Reck, Vielfach lähmt der Föderalismus, DIE WELTWOCHE, 2. Januar 1986).

Streichen wir das arrogante Wort „Wohlstand“, das wir nur für uns in Anspruch nehmen, und ersetzen es durch „Wohlergehen“ für Natur und Mensch (in Ausstellung: ein Dorf will überleben).

Auf die Schönheit zu achten und sie zu lieben hilft uns, aus dem utilitaristischen Pragmatismus herauszukommen. Wenn jemand nicht lernt innezuhalten, um das Schöne wahrzunehmen und zu würdigen, ist es nicht verwunderlich, dass sich für ihn alles in einen Gegenstand verwandelt, den er gebrauchen oder skrupellos missbrauchen kann (Papst Franziskus, Enzyklika Laudatio si 2015). Ich meine ohne Ethik und Ästhetik bin ich kein Mensch.

Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast grösser wird (Friedrich Nietzsche, nachgelassene Fragmente).

Ohne uns über die Welt und über unser Leben ins Klare kommen zu lassen, jagt uns der Geist unserer Zeit ins Wirken hinaus. Unablässig nimmt er uns für diese und jene Ziele und für diese und jene Errungenschaften in Dienst. Er erhält uns im Tätigkeitstaumel, damit wir ja nicht zur Selbstbesinnung kommen und uns fragen, was dieses rastlose Hingeben an Ziele und Errungenschaften eigentlich mit dem Sinn der Welt und dem Sinn unseres Lebens zu tun habe. So ziehen wir als heimatlose, trunkene Söldner im zunehmenden Dunkel der Weltanschauungslosigkeit dahin und lassen uns ebensogut für das Gemeine wie für das Hohe anwerben (Albert Schweitzer: Verfall und Wiederaufbau der Kultur, 1923).

Der Nationalpark ist der Ort, wo wir alles aufbewahren, was vom Aussterben bedroht ist. (Peter Maiwald, deutscher Schriftsteller, 1946-2008)

Quelle: Info 13, INFO-BULLETIN des NFP 31, 2/98